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Und dann war da noch ...

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Protokoll der
Jahreshauptversammlung


XYZ

Das Vereinsleben


Lt. Paragraph 8 der Statuten wird von jedem Vereinsmitglied erwartet, dass es regelmäßig zu den Übungsabenden zu erscheinen und sich anständig zu benehmen habe. Selbst Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, sofern sie nicht sofort zu Genüge erledigt werden können, führen zum Ausschluss aus dem Verein.

Man pflegt Kameradschaft und praktiziert sie. Als im Jahre 1883 die Gebäude eines Sängers abbrannten, erhielt er aus der Kasse 20.00 Mark.

Dass die Statuten ernst genommen wurden, ist aus einer Eintragung im Jahre 1883 zu ersehen. Die Streitigkeiten zweier Sänger ließen sich durch alle Schlichtungsversuche nicht bereinigen; also wurden beide Sänger ausgeschlossen. Vier Jahre später wurde einer der Streithähne wieder aufgenommen.

1893 legte der Dirigent Harms aus Altersgründen seinen Posten nieder. Er wurde mit einem dreifachen „Hoch! Hoch! Hoch!" verabschiedet.

Der Nachfolger wurde Nebenlehrer Kühne. Die Dirigenten erhielten keine Aufwandsentschädigung, sondern ein Weihnachtsgeschenk von 18.00 Mark. Als zwei Jahre später Herr Kühne wegen Versetzung an eine andere Schule seinen Dirigentenposten abgeben musste, wurde vom Verein für alle Sänger Freibier spendiert; Kostenpunkt: 5,25 Mark. (Ein Fass Bier mit 35 Liter Inhalt kostete damals 7.20 Mark).

Alljährlich wurde im Herbst das Stiftungsfest und im Sommer das große Sängerfest des „Ammerländer Sängerbundes" gefeiert, deren Mitglieder die Wiefelsteder Sänger waren. Diese Feste wurden abwechselnd von den Mitgliedsvereinen ausgerichtet. Mit Pferdewagen wurden die Sänger zum Fest kutschiert, wofür jeder Fahrzeughalter einen Betrag von 8.00 Mark erhielt, aus der Kasse versteht sich! Die Sänger wurden kostenlos befördert, Gäste zahlten 1.00 Mark.

1898 fand das große Kreissängerfest in Wiefelstede statt. In beiden Sälen sollte gefeiert werden. Wahrscheinlich sind Rabe und Tapken gemeint.

10 Musiker spielten zum Tanz auf. Die Straße von Rabe bis zur Pastorei wurde gesperrt, weil auf dem Schulhof, dem heutigen Denkmalsplatz bei der Kirche, der Empfang stattfand. Das Singen fand im „Grashof" bei Rabe statt; das ist der Garten zwischen Gasthof Rabe und dem Hinners-Hus. Zu anderen Zeiten diente der Grashof den Kirchgängern als Ausspannort für ihre Wagenpferde. Gastwirt Rabe verpflichtet sich, unentgeltlich eine große Bühne zu errichten und für 1000 Personen Sitzplätze mit den dazugehörigen Tischen zu beschaffen.

Das Fest begann um 13.00 Uhr mit dem Empfang der Vereine, anschließend (um 14.00 Uhr) war die Generalprobe des Gesamtchores.

Um 14.30 Uhr begann der große Festumzug. Die Spitze bildete der Reiterverein hoch zu Pferde, dann folgten die Vereine der Gäste, natürlich alle mit ihren Fahnen. Den Abschluss bildeten die örtlichen Vereine, wie Schützenverein, Turnverein, Stahlhelm und der Gesangverein. Nach den Begrüßungen und Festreden begannen die Liedvorträge. Zur Eröffnung wurde das Lied „Nimm deine schönste Melodie" mit Musikbegleitung vorgetragen. Anschließend sangen die Chöre in der Reihenfolge: Westerstede, Nordloh, Bokel, Rostrup, Zwischenahn und Linswege. Nach einem Musikstück erklangen weitere Liedvorträge der Chöre: Gesangverein Augustfehn und „Concordia" Augustfehn, Apen , Edewecht, Rastede und Wiefelstede. Als Abschluss wurde vom Gesamtchor das Lied „Brüder reicht die Hand zum Bunde" gesungen.

Bereits damals wurde schon durch Inserate in den Zeitungen für das Fest geworben. Es ist im Protokoll zu lesen, daß im „Generalanzeiger" für 2.15 Mark und in den „Nachrichten" für 1.95 Mark Inserate aufgegeben wurden. Zudem wurde durch das Kreissängerfest die Kasse wieder aufgefrischt. Infolge des außerordentlich guten Besuches erzielte man einen Überschuß von 182.13 Mark.

Das Vereinsvermögen von 75 Talern war bei der Ersparniskasse in Oldenburg zu 3% Zinsen angelegt.

Bei den Stiftungsfesten im Herbst wurde 30 Pfennig Eintritt bezahlt, dazu wurden Tanzbänder verkauft. Die 1.00 Mark für Mitglieder und 1.50 Mark für Gäste kosteten. Für einen Einzeltanz bezahlte man 10 Pfennig, die in der Tanzpause eingesammelt wurden. Fünf Musiker spielten zum Tanz und erhielten dafür jeder 7.00 Mark. Das Stiftungsfest begann um 18.00 Uhr, gegen 21.00 Uhr wurde eine Kaffeepause eingelegt und um 02.00 Uhr nachts war das Fest beendet.

Bei den Liederdarbietungen tauchen bekannte Titel auf, die auch heute noch gesungen werden, z.B. „Brüder reicht die Hand zum Bunde", „Heil dir o Oldenburg" oder „Wie ein stolzer Adler".


Die Kameradschaft

Wie groß die Kameradschaft unter den Sängern gewesen sein muss, ersieht man aus einem Kassenbericht von 1897. Da ist bei einer Versammlung auf einen Antrag aus der Mitte des Vereines einstimmig beschlossen worden, einem Sänger, der seit Jahren erkrankt war, eine Unterstützung von 20.00 Mark zu gewähren.

Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges wurde im Herbst das Stiftungsfest und im Sommer das Sängerfest gefeiert. Auch wurden damals schon Ausflüge unternommen. So heißt es im Bericht vom 29. März 1902, dass eine Tour nach Bremerhaven, und zwar per Bahn von Rastede nach Nordenham-Geestemünde und zurück, unternommen werden soll. Der Tag der Reise sollte der 8. Juni sein, die Abfahrt mit dem ersten Zuge morgens und die Rückfahrt von Nordenham um 17.00 Uhr am Nachmittag. Alle aktiven Sänger hatten freie Fahrt, die Gäste zahlten 3.20 Mark.

Nachdem der Organist, Dirigent und Schriftführer Theodor Witte 1906 seinen Posten aufgab, übernahm Hauptlehrer Peter Blohm die Arbeit des Dirigenten. Viele Erzählungen, die die Zeit überdauert haben, halten die Erinnerung an ihn aufrecht. Wenn sich ein neues Mitglied um Aufnahme bewarb, ließ Peter Blohm den Bewerber im Nebenzimmer antreten zum Probesingen, anschließen wurde vom Dirigenten und Vorstand über den Aufnahmeantrag entschieden.

Wenn auch das Protokollbuch etwa von 1910 an nur lückenhaft geführt wurde, so bleibt dennoch das soziale (oder „vaterländische"?) Engagement deutlich, denn unter dem Datum vom 11. August 1914 findet man folgende Eintragung: „Beschlossen wird, aus der Vereinskasse 75.oo Mark für das Rote Kreuz und 75.oo Mark für die infolge Einziehung der Männer zum Heere in Not geratenen Familien der Gemeinde Wiefelstede zu bewilligen. Die letzte Hälfte wird dem Hilfskomitee überwiesen. In dieses wird seitens des Vereines der Dirigent Blohm gewählt."

Weiterhin gibt es keine Aufzeichnungen, die auf ein Ende der Singabende oder auf einen Neubeginn des Singens nach dem I. Weltkrieg hindeuten. Bis 1926 wurde keine Eintragung vorgenommen, erst danach erscheint die Eintragung über einen Vereinsbeschluss, den Singabend vom Sonnabend auf einen anderen Wochentag zu verlegen. Wörtlich heißt es: „Da für einige Mitglieder die Gesangsstunde Sonnabends unpassend ist, wird vorgeschlagen, die Stunde an einem anderen Wochentag abzuhalten, doch wird nach weiteren Überlegungen die Gesangsstunde wie bisher an jedem Sonnabend stattfinden!"

Die Bemerkung „wie bisher" deutet wohl darauf hin, dass nach dem Krieg wieder seit längerer Zeit gesungen worden ist. Außerdem wurde auf dieser Hauptversammlung beschlossen, dass alle Sänger, die „drei- oder viermal unentschuldigt dem Singen fernbleiben", nicht am öffentlichen Singen teilnehmen dürfen (diese Regelung könnte man auch heute bei einigen Sängern anwenden). Zusätzlich wurde eine Kontrollliste angelegt., in die alle bei den Übungsabenden anwesenden Sänger eingetragen wurden.

Lindemann 1927 war für den Männerge-
sangverein ein bedeutsames
Jahr. Damals - der Verein
war noch keine 50 Jahre alt -
da meldete sich ein junger
Mann als Mitglied an, der über
70 Jahre in unserem Chor als
Sänger und Kamerad eine wich-
tige Rolle spielte:



Willi Lindemann

Träger des Niedersächsischen
Verdienstordens.


Als 1930 im Rahmen des Gemeindesängerfestes das 50-jährige Jubiläum des Gesangvereins gefeiert wurde, nannte man ihn „Liedertafel 1880". Beteiligt an diesem Fest waren der Gemischte Chor Mollberg, die Männerchöre Westerholtsfelde, Nuttel - Wemkendorf, Bokel und Borbeck. Dirigent und zweiter Vorsitzender der „Liedertafel" war Hauptlehrer Peter Blohm. Das Fest verlief im Rahmen der ehemaligen Kreissängerfeste, wenn auch nicht in der Größenordnung. Der Festumzug wurde wieder mit dem Reitverein hoch zu Pferde in Marsch gesetzt; sogar eine Militärkapelle marschierte mit. Anlässlich des Jubiläums wurde dem Ehrenmitglied Gerhard Hillmer, Kortebrügge, eine Urkunde überreicht, weil er seit der Gründung dem Verein die Treue gehalten hatte. Die Liedvorträge wurden eröffnet mit den Chorliedern „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" und „Brüder reicht die Hand zum Bunde". Im Verlauf des Festes wurden die Fahnen der Gastvereine von zwei Ehrenjungfrauen mit Fahnenbändern geschmückt. Zum Abschluss wurde ein Ball in den Sälen von Rabe und Tapken abgehalten, auf dem wieder 10 Musiker aufspielten. Die Mitgliederlisten wiesen in den Jahren Namen aus, die besagen, dass in fast jeder Familie des Ortes ein Sänger war. Da gibt es dann die Hienen, Diers, Siemen, Kaper, Janßen, Feldhus, Lamken, Bruns, Cordes und wie sie alle heißen. Die Probleme des damaligen Männergesangvereins glichen denen des heutigen. Schon damals fehlten Sänger an den Übungsabenden und die Sorge um die Nachwuchssänger war groß.

Veränderungen
die „Neuzeit" bricht an

In diesem Zeitraum gibt es viele Eintragungsversäumnisse, Schäden im Buch sind deutlich sichtbar: Hier wurden einige Seiten geleimt, dort entfernt. Warum das so ist? Nun, die Jahre ab 1933 zählten zu den schlimmsten in der Geschichte unseres Landes. Vielleicht hatte der eine oder andere Sänger später ...?

Lassen wir die Spekulationen sein und gehen wir zu unserem Protokollbuch zurück, in dem ab 1948 eine lückenlose Aufzeichnung bis zum heutigen Tage einsetzt.

Heinrich Heinemann ergreift die Initiative und bringt 25 sangeswillige Einwohner zusammen, um den Verein

„Liedertafel 1880"

wieder aufleben zu lassen und mit neuem Schwung zum „Kulturträger" zu entwickeln.

Man wählt Tapkens Saal als Übungsstätte. Der Gasthof Tapken war seit fast 70 Jahren das Vereinslokal. Dirigent wurde der neue Schulleiter Hans Schäfer. Den Vorstand übernahmen H. Feldhus, Gerh. Diers, Heinr. Logemann und Georg Jonas. Das Kreisamt stimmte der Neugründung zu und ein recht aktives Vereinsleben setzte ein. Schon drei Monate später wurde das erste kleine Konzert gegeben. Auf Anregung des MGV Bokel, mit seinem Dirigenten Heinz Vogelsang, wurde 1951 ein Gemeindesängerbund gegründet, dem die Vereine Bokel, Borbeck und Wiefelstede angehörten. Das erste Gemeindesängerfest fand am 27.5.1951 in Wiefelstede statt.


4 Sänger

Diese vier Chorknaben setzen die Tradition der Männer- gesangvereine fort - jeweils ein Sänger für den 1. Tenor, den 2. Tenor, den 1. Bass und den 2. Bass.

In diesem Jahr wurde Heinz Buns Schriftführer. Ihm verdanken wir viele ausführliche Aufzeichnungen.

In den ersten Jahren wurden Stiftungsfeste im kleinen Rahmen im Herbst und Sängerfeste im Februar gefeiert. Man beteiligte sich an Gedenkfeiern für die Gefallenen, trat öffentlich bei Veranstaltungen auf und machte gelegentlich kleinere Ausflüge. Nachbarvereine wurden besucht, so fuhren die Sänger nach Aschhausen, wo der von Herrn Hadeler verfasste „Ammerländer Sängergruß" in Uraufführung gesungen wird. Ein Nachbarbesuch in Nethen wird in der Chronik besonders gewürdigt, sang man dort doch so ausgiebig, dass die Rückfahrt bei herrlichem Sonnen-schein mit dem Milchwagen kostenlos angetreten werden konnte.

Singen im Wald

Selbst im Wald der Dammer Berge wird gesungen!

Singen im Wald

1 - Hinrichs, Georg, 2 - Janßen, Diedr., 3 - Dreier, Max, 4 - Stolle, Herbert,
5 - Neumann, Klaus, 6 - ?, 7 - Rüger, Herbert, 8 - Schwanke, Eduard, 9 - Benje, Fritz, 10 - Diers, Heinr., 11 - Stanschuß, Franz, 12 - Thien, Joh., 13 - ?, 14 - Meier, Erich, 15 - Schäfer, Hans (Dirigent), 16 - Jürgens, Bernhard, 17 - Gertjejanßen, Herm., 18 - Rohde, Diedr., 19 - Feldhus, Hinr. (Liedervater), 20 - Lindemann, Willy, 21 - Tapken, Hinr., 22 - Haferkamp, Heinr., 23 - Gerdes, Fritz, 24 - Rosenkranz, Leo

1953 wird Herbert Rüger Schriftführer und Kassenführer, sehr zum Vorteil des Vereins. Die Gemeindesängerfeste sind durchweg gut besucht, nur die Vereinsfeste finden in diesen Jahren kaum Anerkennung bei der Bevölkerung. In der Kasse herrscht Ebbe, trotzdem wird weiterhin mit Hingabe gesungen.

Der 75. Geburtstag wird 1955 gefeiert. Während zwei Artikel der Nordwest-Zeitung den Chor loben, kann das Protokoll doch nicht darüber hinweg täuschen , dass die Zeichen für ein Vereinsleben auf Sturm stehen. Wie in den vergangenen Jahren, so ist auch während dieser Jubiläumsfeier der Besuch nur auf Vereinsmitglieder und einige wenige Freunde beschränkt. War das gewaltig aufkommende Fernsehen verantwortlich, als eine Heidi Kabel oder eine Krimi - Serie die Straßen leer fegen konnte? War eine neu orientierte Gesellschaft schuld, die vom Ende des Vereinslebens sprach? Oder lag es etwa am Verein selber???

Tatsächlich bessert sich in den nächsten Jahren der Besuch bei Veranstaltungen des MGV „Liedertafel 1880", die Sängerbälle werden zu einer „guten Adresse", trotz Theaterstück und Tombola im Jahre 1958 bleibt lediglich ein Überschuss von 1,17 DM zu verzeichnen. Auch weiterhin werden zu den Festen kleine Einlagen einstudiert.

Personelle Veränderungen stehen an: Gerold Böhmer übernimmt den Posten des Schriftführers und wird 1963 erster Vorsitzender, Herbert Stolle sein Vertreter und Hinrich Feldhus Ehrenvorsitzender. Heinz Buns übernimmt wieder neben der Arbeit des Schriftführers auch die des Pressewartes.

Und noch eine Änderung ist unausweichlich: Der Verein muss den Übungsort wechseln, denn 1963 wird das Vereinslokal Tapken verkauft, weil das neue Rathaus geplant und gebaut wird. Die Sänger finden im Gasthof Rabe ihr neues Domizil und fühlren sich noch heute dort sehr wohl.

Herbert Stolle wird im Jahre 1969 zum ersten Vorsitzenden und Fritz Kuck zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Hans Schäfer bleibt weiterhin Dirigent und ist immer bemüht, neue ins Ohr gehende Melodien einzuüben. Obwohl er mit Elan bei der Arbeit ist, gibt er zu bedenken, dass er bald 80 Jahre alt wird.

Es werden Lieder und Gesangstücke eingeübt, die sich um ein bestimmtes Thema ranken und somit die Veranstaltungen zu einem großen Fest machen.

Die Themen sind unterschiedlich: „Wein, Weib und Gesang", „Plattdeutscher Abend", „Die vier Jahreszeiten", „Die schöne blaue Donau", „Die Nordseewellen" oder „Das Lied der Berge" sollen beispielhaft genannt sein.

Singen in Rabes Saal

Sängerball 1969 in Rabes Gasthof

Und 1980 „Der Hundertste Geburtstag"

Hervorragende Dekorationen werden von Herbert Rüger entworfen und von ihm und Heinz Feldhus in Form und Bild gesetzt. In der Presse wird der Verein besonders gelobt, die Jubiläumsveranstaltung ein voller Erfolg. Als Lohn für die Aktivitäten erhält der Männergesangverein „Liedertafel 1880" Wiefelstede im März 1981 die ZELTER PLAKETTE als Anerkennung für die Verdienste um die Pflege der Chormusik.


100 Jahre

Am mittleren Tisch erkenmnt man an der rech-
ten Seite den ehemaligen Gemeindedirektor
Willi Rippen und Atbürgermeister Jochen Pech.


Zelterplakette

Vor dem Rathaus übergibt Heinz zu Jührden die Zelterplakette an Herbert Stolle.


Doch zurück zur zeitlichen Abfolge:

Hans Schäfer äußert den Wunsch nach einem Nachfolger. Deshalb muss 1974 die Wahl eines neuen Dirigenten in Auge gefasst werden. Der Verein ist sich darüber im Klaren, dass nur ein Sänger aus den eigenen Reihen die Aufgabe übernehmen sollte.

Horst Braje und Klaus Stolle stellen sich zur Verfügung und erlernen unter Leitung von Hans Schäfer, Bernhard Jürgens und Heinz Pötzsch die Grundbegriffe des Dirigierens. Mit Unterstützung der Gemeinde wird der Folgezeit Klaus Stolle in der Musikschule in Westerstede ausgebildet.

1976 ist der Verein in der glücklichen Lage, ein neues Klavier anschaffen zu können, welch eine Investition!


Chor, 1976

Bekannte Gesichter sind zu erkennen, z.B. Johann Lamken, Heinz Buns, Gerold Böhmer, Karl Cordes, Herbert Stolle, Georg Hinrichs, Fritz Gerdes und das "Urgestein" Willi Lindemann.


Neben dem Gesang gehörten zum aktiven Vereinsleben auch Fahrten, die oft und regelmäßig durchgeführt wurden. Allerdings waren dies nicht nur Fahrten mit einem hohen Freizeit- und Unterhaltungswert, sondern stets auch mit kulturellem oder gesellschaftlichem Hintergrund. Als Beispiele seien hier Bayreuth, Verdun sowie Fahrten an die Mosel oder in die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn genannt.


Lewedag, Fahrt

Herbert Stolle bedankt sich bei Willi Lewedag für die Organisation einer Fahrt. Schon damals fuhr der Verein gerne mit dem Unternehmen Imken.


Der Umbruch

In den nächsten Jahren änderte sich das Gesicht des Vereins. Herbert Stolle trat 1984 von seinem Amt als erster Vorsitzender zurück, von den Sängern wurde er zum „Ehrenliedervater" ernannt. Sein Nachfolger wurde August Wiechmann, der für vier Jahre die Vereinsführung übernahm.

Die Mitglieder des MGV sind meistens harmoniesüchtig dennoch kam es kurzfristig zu Differenzen, die dazu führten, dass sogar in der Presse mit der Überschrift „Lieber singen als diskutieren" berichtet wurde.

Wie in jeder guten Ehe konnten die Streitigkeiten bald beigelegt werden und der Verein erlebte einen wesentlichen Einschnitt, da ab 1985 Klaus Stolle als Dirigent nicht mehr zur Verfügung stand.

In der örtlichen Presse konnte man über den durchgeführten „Stabwechsel" folgenden Text lesen:

Einen neuen Dirigenten hat seit Beginn dieses Monats der Wiefersteder Männergesangverein Liedertafel 1880: István Benkóczy - ein gebürtiger Ungar aus Oldenburg - ist nach Angaben der singfreudigen Wiefelsteder nicht nur ein ausgezeichneter Pianist, sondern hat auch schon mehrfach Erfahrungen als Chorleiter gesammelt. Von der musikalischen Leitung durch einen Profi erhoffen sich die Sänger frischen Wind und neue Impulse für ihre Arbeit.

Mit dem Dirigenten István Benkóczy veränderte sich auch das Liedgut, alte Zöpfe wurden abgeschnitten, und neue, moderne Stücke eingeübt. So fanden die Auftritte bei den Sängerbällen 1986 bzw. 1987 unter dem Motto „Brasilianische Nächte" bzw. „Bella Italia" statt. Und noch eine Regelung wurde eingeführt: Die Sänger traten auf dem Gemeindesängerfest 1987 erstmals in einheitlicher Kleidung auf (graue Jacke, schwarze Hose, rote Krawatte mit Lyra - Emblem).


Chor, 1987

Unter der temperamentvollen Leitung von István Benkóczy tragen die Sänger im neuen Outfit ihre Lieder vor.


Die Konzerte

Es zeigte sich, dass die Sängerbälle in der herkömmlichen Art und Weise nicht mehr durchgeführt werden konnten. Lag es am Überangebot an Veranstaltungen in Wiefelstede? Lag es am veränderten Zeitgeist? Egal, die Sänger suchten und fanden neue Wege, um ihren Beitrag im dörflichen Leben zu leisten.

Von Klaus Stolle, er hatte am 18.01. 1990 von Gerold Böhmer das Amt des ersten Vorsitzenden übernommen, kam der Vorschlag, zukünftig alle zwei Jahre einen Konzertabend durchzuführen.

Lange wurde das Pro und Contra diskutiert - inzwischen steht fest, dass die Entscheidung für diese Form der Veranstaltungen richtig war.

Erstmals wagte man ein Konzert im Februar des Jahres 1992 im Gasthof Rabe. Die Besucher, ca. 140 Gäste waren gekommen, waren von den Leistungen begeistert; nicht nur der Chor wirkte mit, sondern auch István Benkóczy und Musiker der Oldenburger Musikschule als Solisten.

Kein Wunder , dass die Sänger nun mutiger wurden.

Das nächste Konzert - umfangreicher und anspruchsvoller - wurde dann im November 1994 durchgeführt. Ort des Auftritts war das Haus des Gastes in Wiefelstede und wieder wurde das Programm durch Solisten, die István Benkóczy verpflichtet hatte, abgerundet.

Im Kardinal von Gahlen - Haus in Stapelfeld hatten sich die Sänger in einem „Trainingslager" auf den großen Auftritt vorbereitet.

Die Resonanz war überwältigend, der Saal im Haus des Gastes war überfüllt, etliche Besucher mussten leider umkehren. In der Berichterstattung der NWZ wurde die Veranstaltung besonders gelobt.

Inzwischen haben die Konzertabende ihren festen Platz im gesellschaftlichen Leben unserer Gemeinde. Für die Unterstützung durch Solisten sorgt István Benkóczy, der seine Beziehungen zu Künstlern aus der Region einbringt. Wechselnde Programmteile - Arien sind ebenso wie Lieder aus den zwanziger Jahren vertreten - überraschen unsere Gäste immer wieder neu. Den Feinschliff holen sich die Sänger vor den Konzerten bei ihren Klausurtagen (auch „Trainingslager" genannt) an unterschiedlichen Orten, z.B. mal in Bassum und selbst auf der Insel Baltrum.


Zur Person: István Benkóczy

Istvan Mit István Benkóczy erhielt das Klavier einen höheren Stellenwert, konzentriert wurde geprobt und der Dirigent konnte den Chor bei vielen Auftritten am Instrument begleiten.

... ist kein Unbekannter in Wiefelstede, dem Männergesangverein gehört er nun schon seit 1985 an. Bereits am Namen erkennt man, dass seine Wiege nicht in Deutschland stand.

Der in Szeged (Südungarn) geborene Istvàn (auf Deutsch „Stephan") besuchte dort die Schule, nach dem Abitur an einem technischen Gymnasium studierte er Musik in Szeged, einer Stadt etwa von der Größe Oldenburgs und ging später zum Konservatorium nach Budapest. Dabei stand das Klavier im Mittelpunkt, scherzhaft meinte er dazu einmal: „Beim Klavier sind die Töne fertig, bei der Geige muss man sie suchen."

Engagements an verschiedenen Theatern folgten, bis er noch zu Zeiten des „Kalten Krieges" über Klagenfurt in Österreich an das Oldenburger Theater kam; dort arbeitete er einige Jahre als Repetitor.

Später wechselte er als Dozent an die Oldenburger Musikschule. Mit seiner Frau Terezia hat er also seinen Lebensmittelpunkt bereits seit Jahrzehnten in Oldenburg; da verwundert es auch nicht, dass er vor einigen Jahren die deutsche Staatbürgerschaft angenommen hat.

István Benkóczys Spektrum ist umfassend, vom Jazz bis zum Kammerkonzert; seine Liebe gehört jedoch dem Flügel; erfolgreich, wie man es bei unseren Konzerten erleben kann. Da er auch eine Dirigentenausbildung absolvierte, arbeitet "unser István" gerne mit Chören. Dem Männergesangverein „Liedertafel 1880" Wiefelstede hat er „seine Handschrift" verpasst. Wir hoffen, dass er auch zukünftig für die musikalische Leitung verantwortlich bleiben wird.


Geselligkeit in Gemeinschaft

Den Gesangvereinen allgemein - besonders jedoch den Männergesangvereinen sagt man nach, dass das Singen nur ein Vorwand für lange Nächte in internen Kreisen mit mehr oder weniger zahlreichen geistigen Getränken sei.

Dieses Vorurteil ist falsch!

Richtig ist allerdings, dass in Sängerkreisen egal ob männlich, weiblich oder „gemischt" stets ein besonderes „Harmoniebedürfnis" besteht. Schon in der Vorzeit der elektronischen Medienwelt stellte man bekanntlich fest, dass man an bestimmten Orten durchaus besser säße als an anderen („Wo man singt, da lass dich ruhig nieder; böse Menschen haben keine Lieder!"). Und so sitzen Sänger (bleiben wir bei den Männergesangvereinen) natürlich gerne zusammen; wer aber daraus ableitet, Männer seien bequem und nicht mobil, der irrt tüchtig!

Bezogen auf den MGV „Liedertafel 1880" Wiefelstede sieht die Geselligkeit so aus, dass nicht alles in „großer Runde" erledigt wurde (und wird), sondern durchaus Aktivitäten innerhalb der einzelnen Stimmen erfolgten.

„Also doch", könnte man sagen, „den Sängern geht es nur um das Feiern!" Tatsächlich geht es bei der Geselligkeit in Gemeinschaft aber um andere Dinge. Oft waren es kleinere Gruppen, die in den Ferien Reisen ins benachbarte Ausland machten, so wurde Budapest und die Heimat des Dirigenten in Ungarn (Szeged) besucht; es folgten Fahrten nach Wien und Prag, von denen die Sängergruppe noch heute schwärmt. Besonders Prag mit dem jüdischen Friedhof oder der Stadtgang auf den Spuren Kafkas hatte es den Sängern angetan. Eindrucksvolle Erlebnisse hinterließen „das Beste von Mozart" oder der Besuch im Theater an der Wien mit der Aufführung des Musicals „Elisabeth", übrigens historisch korrekter als alle „Sissy Filme" zusammen.

In den 60er und 70er Jahren hatten die Sänger viele Mehrtagesfahrten durchgeführt, in den Jahren danach sind diese Touren seltener geworden. Statt dessen kamen andere Gemeinschaftserlebnisse hinzu: Tagesfahrten erfreuten sich größerer Beliebtheit. Fahrten in die Bundes- und Landeshauptstadt wurden durchgeführt und der inzwischen nach Schleswig Holstein verzogene Georg Hinrichs wurde besucht.

Aber nicht nur im Gesangverein gab es Abwechslung, auch mit anderen Vereinen wurden die Kontakte gepflegt. Beispielhaft erwähnt sei die Mitwirkung aller Vereine bei den Gemeindesängerfesten; auch beim Ortsbürgerverein waren wir als MGV mit unserem Weinstand über viele Jahre auf den Dorffesten gern gesehen.

Nicht vergessen werden soll auch die Gemeinschaft unter den Männergesangvereinen, so werden alle zwei Jahre gemeinsame Kohlfahrten durchgeführt und bei besonderen Anlässen hilft man sich auch untereinander aus.

Im Laufe der Jahre hat sich bei der „Liedertafel" eine besondere Form des Zusammenseins entwickelt: Das so genannte „Trainingslager". An einem langen Wochenende gehen die aktiven Sänger mit ihrem Dirigenten in Klausur. Regelmäßig werden kurz vor den öffentlichen Konzerten die Feinheiten der zu singenden Lieder ausgeprägt, in der Presse wurde dieses als „Feinschliff" bezeichnet. Die Übungsorte wechselten, mal war es eine Einrichtung in Bassum, mal eine Nordseeinsel, selbst vor einem Kloster machte man nicht Halt. Die Mühen der Sänger wurden bisher (und werden hoffentlich auch in Zukunft) vom Publikum gewürdigt. Wie heißt es doch so schön: „Applaus ist das Salz in der Suppe des Sängers!"

Aus den gemeinsamen Übungswochenenden heraus wurde allmählich der Wunsch entwickelt, zukünftig doch auch wieder gemeinsame mehrtägige Fahrten mit den Partnerinnen durchzuführen. Schnell wurden sich die Sänger einig und Klaus Stolle als Vorsitzender und Sangesbruder Jörg Weden nahmen des Heft in die Hand. Die Fahrt in die Weltkulturerbe Stadt Quedlinburg mit Nachtwächtergang, Harzfahrt und „Teufelsbegegnung" war ein voller Erfolg. Kein Wunder, dass drei Jahre später die nächste Tour durchgeführt wurde. Ziel war Schwerin, die Landeshauptstadt von Mecklenburg Vorpommern mit einem Abstecher nach Wismar.

Im Jubiläumsjahr führte die Fahrt, wie könnte es anders sein, nach Berlin. Neben einer Stadtrundfahrt gehörte der Besuch des Kabaretts „Distel" zum Programm; selbstverständlich konnte auch der Bundestag im Reichstagsgebäude besichtigt und aus der Kuppel ein Blick über das nächtliche Berlin Mitte geworfen werden. Ein Stadtgang durch das Scheunenviertel und eine Stippvisite in Potsdam rundeten das Ausflugsprogramm ab.

Höhepunkt war jedoch die abendliche Teilnahme am Erntedankgottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, bei dem wir fünf Lieder vortragen konnten.

Wie der verehrte Leser den bisherigen Zeilen entnehmen konnte, ist das Singen nicht nur eine anstrengende Tätigkeit für die Stimmbänder, sondern viel mehr noch eine soziale Angelegenheit.

Schlussbetrachtung

Über das Singen gibt es verschiedene Ansichten. Oft wird das Singen der Menschen mit dem Vogelgesang verglichen. Dabei werden interessante Meinungen geäußert.

Hier zwei Beispiele:

1. Wissenschaftler haben z.B. den Lösungsansatz, dass Vögel singen, tirillieren, flöten, pfeifen oder zwitschern aus dem gleichen Grund, aus dem Menschen quatschen, labern, jammern oder lamentieren: Zur Verständigung untereinander oder um Monologe zu halten.

2. Andere Kenner der Materie vermuten hinter dem Vogelgesang einfach nur Machoallüren der Vogelmännchen, denn es sind nur die Kerle, die singen, um den Weibchen zu imponieren. Außerdem herrscht in der Vogelwelt wohl die Auffassung vor, dass gute Sänger auch gute Liebhaber seien.

Könnte man beide Ansätze auch in der Nähe der Männergesangvereine vermuten? Völlig falsch, liebe Leserin und lieber Leser. Weshalb Männer im Männergesangverein singen, hat ganz andere Gründe. Zum 100. Geburtstag jedenfalls lautete die Erklärung so:

„Wir sind eine Gemeinschaft im Dienste der Musik und des Liedes, im Dienste der Kameradschaft zwischen den Sängern. Wir legen alljährlich Zeugnis ab von diesem Streben. Dabei wollen wir bei Misserfolgen nicht verzagen und bei Erfolg nicht nach den Sternen greifen. Wir wissen sehr wohl um unsere Grenzen. Unser Singen hebt uns selbst hinaus aus dem Alltag, führt uns hin zur Freude im eigenen Herzen und soll unser dörfliches Leben bereichern helfen."

Auch wenn die Formulierung heute ein wenig antiquiert klingt - vom Inhalt her hat sich wenig geändert.

Allerdings würde diese Erklärung heute leichter und verständlicher sein:

„ SINGEN - ECHT COOL"
Worauf warten Sie noch? Machen Sie mit !!!

Im Jahre 2006 machten wir uns dann auf die Reise nach Polen.

Chosz liegt etwa 180 Km süd-östlich der Grenze von Frankfurt (Oder). Sie ist die Partner-gemeinde von Wiefelstede. Ein reichhaltiges Programm war vorgesehen. Wir gaben ein Konzert ind Pleszew, der Kreisstadt, besuchten einen Jugendhof, wo ehemalige Drogenabhängige untergekommen waren, gaben noch ein Konzert in der Kirche in Pleszew und sangen am Sonntagmorgen beim Kirchgang in Chosz.

Die Gastfreundschaft war überwältigend. Unsere Gastgeber tischten auf, dass sich die Balken bogen. Freundschaften wurden geschlossen und am Ende konnten wir sagen, dass wir uns selten irgendwo so wohl gefühlt hatten, wie dort in Polen.

2009 dann fuhren wir nach Dresden. Die Stadt mit all ihren historischen Sehenswürdigkeiten war beeindruckend. In der Frauenkirche konnten wir zwei Lieder zu Gehör bringen, was die anwesenden Besucher mit reichlich Applaus bedachten.

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